Anthurium vittarifolium – Pflege
Standort & Licht
Die Anthurium vittarifolium braucht mehr Licht, als viele zunächst annehmen – ein wirklich heller Platz mit reichlich indirektem Licht, etwa nah an einem Ost- oder Westfenster, lässt sie am kräftigsten wachsen. Als grobe Orientierung liegt der ideale Bereich für Anthurien allgemein bei etwa 20 bis 100 µmol/m²/s PAR (PPFD), was bei einer Beleuchtungsdauer von rund 10 bis 12 Stunden einem DLI von ungefähr 1 bis 4 mol/m²/Tag entspricht. Etwas milde Morgen- oder Abendsonne wird meist vertragen, pralle Mittagssonne solltest du dagegen meiden, da die Blätter darauf verbrennen oder ausbleichen können. Steht sie zu dunkel, wird das Wachstum spürbar langsamer und neue Blätter bleiben kürzer.
Gießen
Gieße, sobald die obere Hälfte des Substrats angetrocknet ist – der Ballen sollte danach gleichmäßig feucht sein, aber nie durchnässt. In ihrem natürlichen Habitat wächst die vittarifolium epiphytisch an Baumstämmen, wo Regenwasser durch das lockere Substrat rasch abzieht, ohne dass die Wurzeln je in stehendem Wasser stehen – im Topf entsprechend auf zügige Drainage achten. Zimmerwarmes, kalkarmes Wasser wird am besten vertragen, überschüssiges Wasser in Untersetzer oder Übertopf immer abgießen. Im Herbst und Winter wird spürbar seltener gegossen, ganz austrocknen sollte der Ballen aber auch dann nicht.
Düngen
Die Wurzeln der Anthurium vittarifolium reagieren empfindlich auf unverdünnte, schnell wirkende Dünger, weshalb in der Wachstumsphase eine Gabe alle 3 bis 4 Wochen mit einem stark verdünnten Flüssigdünger (ein Viertel bis maximal die Hälfte der empfohlenen Menge) völlig ausreicht – auf pulverförmige Bio-Dünger und unverdünnte Körnerdünger solltest du bei dieser Art besser verzichten. Als grobe Näherung gelten für Anthurien allgemein ein pH-Wert von etwa 5,5 bis 6,5 sowie eher niedrige 1,0 bis 1,5 mS/cm. Halte dich bei der genauen Dosierung an die Herstellerangabe auf der jeweiligen Verpackung. Steht die Pflanze im Herbst und Winter nur am Fenster, wird das Licht schwächer und die Düngung entsprechend reduziert bzw. pausiert; wächst sie dagegen ganzjährig unter ausreichend hellem Pflanzenlicht, kann der gewohnte Rhythmus beibehalten werden, ohne zusätzlich zu kürzen.
Wir wechseln bei unseren eigenen Pflanzen bewusst zwischen verschiedenen Düngern – aktuell unter anderem COMPO COMPLETE, Foliage Focus, Liquid Gold Leaf und Hesi TNT-Complex, ergänzt bei Bedarf um Hesi Wurzel-Complex, Hesi PowerZyme und CalMag.
Substrat
Als Epiphyt braucht die Anthurium vittarifolium ein grobes, luftiges Substrat, das trotzdem etwas Feuchtigkeit speichert und den Wurzeln festen Halt gibt – eine Mischung aus Orchideenrinde, Perlit, etwas Kokosfaser oder Sphagnum-Moos sowie Holzkohle funktioniert gut. Der feste Halt ist bei dieser Art besonders wichtig, da die schweren, kaskadenartig herabhängenden Blätter die Pflanze sonst leicht aus dem Topf kippen lassen. Regelmäßige, aber nicht überdimensionierte Topfgrößen unterstützen zusätzlich eine zügige Durchlüftung des Substrats.
Luftfeuchtigkeit & Temperatur
Normale Wohnraumluft reicht der Anthurium vittarifolium nicht dauerhaft aus – mehrere unabhängige Quellen sind sich einig, dass sie durchgehend erhöhte Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 % braucht, um lange, geschmeidige und glänzende Blätter zu bilden; darunter drohen Wachstumsstillstand und stumpfe, brüchige Blattenden. Ein Luftbefeuchter, eine Kiesschale oder ein Platz in Gesellschaft anderer tropischer Pflanzen helfen dabei, die Werte dauerhaft anzuheben. Auf regelmäßiges Besprühen der Blätter solltest du eher verzichten, da stehende Feuchtigkeit auf dem Laub Pilzbefall begünstigen kann. Bei der Temperatur liegt der Wohlfühlbereich zwischen 18 und 27 °C, kurze Ausflüge bis etwa 13 °C werden meist toleriert, dauerhaft kühlere Temperaturen und Frost sollten aber unbedingt vermieden werden.
Wachstum & Form
Die Anthurium vittarifolium bildet lange, bandartig-schmale, ledrige Blätter, die in ihrer Heimat wie ein grüner Vorhang von Baumästen herabhängen und in Kultur durchaus mehr als einen Meter Länge erreichen können. Anders als die meisten anderen Anthurien fehlt den Blättern der obere Blattansatz-Lappen am Übergang zum Blattstiel, und die Blattstiele wachsen gerade nach unten statt nach oben – das ergibt die typische, hängende Wuchsform, die diese Art besonders gut für Ampeln oder erhöhte Standorte macht. Bei guter Pflege gilt sie als vergleichsweise zügig wachsend. Eine ausgeprägte Ruhephase ist nicht dokumentiert, im Winter wächst sie aber spürbar langsamer.
Gut zu wissen
Wie alle Anthurien enthält auch die vittarifolium Calciumoxalat-Kristalle und ist für Haustiere und Kinder bei Verzehr reizend – am besten außer Reichweite platzieren.
Die Anthurium vittarifolium stammt aus dem oberen Amazonasbecken, von Südost-Kolumbien bis nach Peru und Brasilien, wo sie epiphytisch an Baumstämmen wächst. Ihr unscheinbarer Blütenstand mit grünlich-cremefarbenem Hochblatt und schlankem Kolben hängt an einem kurzen Stiel nach unten und entwickelt nach der Bestäubung rosa-violette Beeren. Als sogenannte “Strap-Leaf”-Anthurie wird sie gelegentlich mit der ähnlich aussehenden Anthurium pallidiflorum verwechselt, die sich aber unter anderem in der Blütenform unterscheidet.
Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten lohnt sich, da Schild- und Wollläuse sich dort gerne verstecken.