Anthurium veitchii – Pflege

Anthurium veitchii mit großen, stark gerippten, dunkelgrün glänzenden Blättern
Die folgenden Hinweise stammen aus eigener Erfahrung und dem Vergleich mehrerer unabhängiger Quellen. Standort, Licht und Raumklima sind bei jedem zuhause etwas anders, weshalb die Angaben als Orientierung zu verstehen sind und nicht als starre Vorgabe.
Standort & Licht

In den Baumkronen Kolumbiens wächst diese Anthurie hoch oben im gefilterten, aber intensiven Licht des Kronendachs – ein wirklich heller Platz mit reichlich indirektem Licht kommt ihren natürlichen Ansprüchen entsprechend am nächsten. Direkte Sonne führt dagegen schnell zu Verbrennungen auf den großen Blättern. Als grobe Orientierung liegt der geeignete Bereich bei etwa 80 bis 150 µmol/m²/s PAR (PPFD), was bei 10 bis 12 Stunden Beleuchtung einem DLI von ungefähr 3,5 bis 6,5 mol/m²/Tag entspricht. Zu wenig Licht bremst den ohnehin gemächlichen Wuchs zusätzlich aus.

Gießen

Gegossen wird, sobald sich die oberen 3 bis 4 cm des Substrats trocken anfühlen – als Epiphyt ist diese Anthurie an einen Wechsel zwischen feucht und leicht abtrocknend gewöhnt, dauerhafte Nässe verzeiht sie dagegen kaum. Überschüssiges Wasser sollte nach dem Gießen immer aus dem Untersetzer entfernt werden, um Wurzelfäule vorzubeugen. Kalkarmes, zimmerwarmes Wasser wird deutlich besser vertragen als hartes Leitungswasser.

Düngen

In der Natur bezieht diese Anthurie nur wenige Nährstoffe aus Laubstreu und Regenwasser, im Topf profitiert sie aber von etwas regelmäßigerer Zufuhr: Alle 3 bis 4 Wochen mit einem stark verdünnten Flüssigdünger während der Wachstumsphase reicht aus, um die riesigen, gerippten Blätter zu versorgen, ohne die Wurzeln zu überlasten. Als Richtwerte gelten für Anthurien allgemein ein pH-Bereich von etwa 5,5 bis 6,5 sowie eine Leitfähigkeit des Gießwassers von grob 1,0 bis 1,5 mS/cm; halte dich bei der genauen Dosierung an die Herstellerangabe. Wächst die Pflanze im Herbst und Winter nur am Fenster, wird durch das schwächere Licht seltener bzw. gar nicht gedüngt; unter ganzjährig ausreichend hellem Pflanzenlicht kann dagegen im gewohnten Rhythmus weitergedüngt werden.

Wir wechseln bei unseren eigenen Pflanzen bewusst zwischen verschiedenen Düngern – aktuell unter anderem COMPO COMPLETE, Foliage Focus, Liquid Gold Leaf und Hesi TNT-Complex, ergänzt bei Bedarf um Hesi Wurzel-Complex, Hesi PowerZyme und CalMag.

Substrat

Ein grobstückiges, sehr durchlässiges Substrat aus Orchideenrinde, etwas Perlit und einer Handvoll Sphagnum-Moos ahmt das epiphytische Wurzelmilieu nach, an das diese Anthurie in freier Natur gewöhnt ist. Kompakte, verdichtende Blumenerde sollte gemieden werden, da sie zu lange nass bleibt. Ein stabiler, nicht zu leichter Topf gibt der Pflanze angesichts ihrer großen, schweren Blätter den nötigen Halt.

Luftfeuchtigkeit & Temperatur

Hohe Luftfeuchtigkeit macht bei dieser Anthurie einen echten Unterschied: In ihrer Heimat sind Werte um 80 % normal, und auch als Zimmerpflanze zeigt sie sich unter 50 % deutlich zurückhaltender im Wuchs und neigt zu trockenen Blattspitzen. Ab etwa 60 bis 70 % wird sie sichtbar vitaler, ein Luftbefeuchter oder Gewächshausschrank zahlt sich hier aus. Bei der Temperatur liegt der Wohlfühlbereich zwischen 20 und 27 °C, unter 15 °C und bei Zugluft reagiert sie empfindlich.

Wachstum & Form

Junge Blätter starten noch herzförmig und in einem zarten Rostrosa, bevor sie mit der Zeit zu ihrer ausgewachsenen Form heranreifen: länglich-oval, dunkelgrün mit leichtem Metallschimmer und einer tief gerippten, fast abstrakt wirkenden Textur, die an ein Waschbrettmuster erinnert. Ausgewachsene Blätter können in der Kultur gut einen Meter erreichen, in freier Natur sogar deutlich mehr. Diese Anthurie zählt zu den eher langsam wachsenden Sammlerpflanzen – oft vergehen mehrere Monate zwischen zwei neuen Blättern, was bei entsprechender Pflege völlig normal ist und keinen Anlass zur Sorge gibt.

Gut zu wissen

Wegen ihrer imposanten Blattgröße wird Anthurium veitchii auch “King Anthurium” genannt, benannt nach dem Londoner Pflanzensammler John Veitch. Gelegentlich wird sie mit der ähnlich großblättrigen Anthurium warocqueanum (“Queen Anthurium”) verwechselt – letztere hat allerdings samtige statt geriffelt-lederige Blätter und eine deutlich schmalere Blattform. Von der ebenfalls hängend wachsenden Anthurium pallidiflorum lässt sie sich schon an der ganz anderen Blattform unterscheiden: pallidiflorum bildet schmale Bandblätter, veitchii dagegen breite, ovale und stark gerippte Blätter.

Wie alle Aroideen enthält auch diese Anthurie Calciumoxalat-Kristalle und ist für Haustiere und Kinder bei Verzehr reizend – am besten außer Reichweite platzieren. Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten lohnt sich zudem, da Spinnmilben und Thripse zu den häufigeren Problemen bei dieser Gattung zählen.