Anthurium wendlingeri – Pflege

Anthurium wendlingeri mit langen, schmalen, herabhängenden Blättern und spiralig gedrehtem Blütenstand
Diese Pflegetipps basieren auf unserer eigenen Erfahrung mit dieser Pflanze sowie auf mehreren unabhängigen Quellen, die wir verglichen haben. Da Standort, Lichtverhältnisse und Raumklima bei jedem zuhause anders sind, können die optimalen Werte bei dir leicht abweichen – nimm die Angaben als Orientierung, nicht als starre Regel.
Standort & Licht

Ein heller Platz mit reichlich indirektem Licht lässt die Anthurium wendlingeri am kräftigsten wachsen, etwa nah an einem Ost- oder Westfenster. Als grobe Orientierung liegt der ideale Bereich bei etwa 80 bis 150 µmol/m²/s PAR (PPFD), was bei rund 12 Stunden Beleuchtungsdauer einem DLI von ungefähr 3,5 bis 6,5 mol/m²/Tag entspricht – damit verträgt sie tendenziell etwas mehr Licht als manch andere Anthurie. Direkte Sonneneinstrahlung solltest du trotzdem meiden, da die leicht samtige Blattoberfläche darauf schnell verbrennt. Bei zu wenig Licht wächst sie zwar weiter, aber spürbar langsamer und mit kleineren Blättern.

Gießen

Gieße, sobald die obere Substratschicht leicht angetrocknet ist – der Ballen sollte danach durchgehend feucht sein, aber nie durchnässt. Anders als viele andere Aroiden verzeiht die wendlingeri auch kurzes Antrocknen des Substrats eher schlecht und reagiert empfindlich auf Trockenstress, weshalb ein gleichmäßiger, häufigerer Gießrhythmus wichtig ist. Zimmerwarmes, kalkarmes Wasser wird am besten vertragen, überschüssiges Wasser in Untersetzer oder Übertopf immer abgießen, um Staunässe an den Wurzeln zu vermeiden. Im Herbst und Winter wird spürbar seltener gegossen, ganz austrocknen sollte der Ballen aber auch dann nicht.

Düngen

Bei guter Kultur zählt die Anthurium wendlingeri zu den zügiger wachsenden Anthurien und verträgt entsprechend etwas mehr Nährstoffe als manch andere Art – in der Wachstumsphase reicht meist eine Gabe alle 2 bis 3 Wochen mit einem stark verdünnten Flüssigdünger (ein Viertel bis maximal die Hälfte der empfohlenen Menge). Unterversorgte Pflanzen erkennt man oft an neuen Blättern, die kleiner ausfallen als die vorherigen. Als grobe Näherung gelten für Anthurien allgemein ein pH-Wert von etwa 5,5 bis 6,5 sowie eher niedrige 1,0 bis 1,5 mS/cm. Halte dich bei der genauen Dosierung an die Herstellerangabe auf der jeweiligen Verpackung. Steht die Pflanze im Herbst und Winter nur am Fenster, wird das Licht schwächer und die Düngung entsprechend reduziert bzw. pausiert; wächst sie dagegen ganzjährig unter ausreichend hellem Pflanzenlicht, kann der gewohnte Rhythmus beibehalten werden, ohne zusätzlich zu kürzen.

Wir wechseln bei unseren eigenen Pflanzen bewusst zwischen verschiedenen Düngern – aktuell unter anderem COMPO COMPLETE, Foliage Focus, Liquid Gold Leaf und Hesi TNT-Complex, ergänzt bei Bedarf um Hesi Wurzel-Complex, Hesi PowerZyme und CalMag.

Substrat

Als Epiphyt braucht die Anthurium wendlingeri ein grobes, luftiges Substrat, das trotzdem gut Feuchtigkeit hält – eine Mischung aus Orchideenrinde, Perlit, Kokosfaser oder Sphagnum-Moos sowie etwas Holzkohle funktioniert gut. Wegen des schweren, herabhängenden Blattwerks braucht die Pflanze zusätzlich einen sicheren Stand oder eine stabile Aufhängung, damit sie durch das eigene Gewicht nicht kippt oder aus dem Topf rutscht. Alle 2 bis 3 Jahre freut sie sich über frisches Substrat.

Luftfeuchtigkeit & Temperatur

Normale Wohnraumluft reicht der Anthurium wendlingeri nicht dauerhaft aus – nahezu alle Quellen sind sich einig, dass eine durchgehend hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 bis 70 % entscheidend für gesunde, glänzende Blätter ist. Bei niedrigeren Werten verformen sich die Blätter und die Ränder werden schnell braun und knusprig. Ein Luftbefeuchter, eine Kiesschale oder ein Platz in Gesellschaft anderer tropischer Pflanzen helfen dabei, die Werte dauerhaft anzuheben. Auf regelmäßiges Besprühen der Blätter solltest du eher verzichten, da stehende Feuchtigkeit auf dem Laub Pilzbefall begünstigen kann. Bei der Temperatur liegt der Wohlfühlbereich zwischen 20 und 30 °C, kalte Zugluft und plötzliche Temperaturschwankungen sollten unbedingt vermieden werden.

Wachstum & Form

Die Anthurium wendlingeri bildet lange, schmale, leicht samtig wirkende Blätter mit deutlich sichtbarer Mittelrippe, die aus einer vergleichsweise kompakten Blattkrone heraus nach unten hängen und in Kultur durchaus über einen Meter Länge erreichen können. Am besten kommt der hängende Wuchs in einer Ampel oder auf einem erhöhten Regal zur Geltung. Ausgewachsene Pflanzen bilden gelegentlich einen auffällig spiralig gedrehten, korkenzieherartigen Blütenstand, der die Art unter Sammlern besonders bekannt macht. Eine ausgeprägte Ruhephase ist nicht einheitlich dokumentiert, im Winter wächst sie aber spürbar langsamer.

Gut zu wissen

Wie alle Anthurien enthält auch die wendlingeri Calciumoxalat-Kristalle und ist für Haustiere und Kinder bei Verzehr reizend – am besten außer Reichweite platzieren.

Die Anthurium wendlingeri stammt aus den feuchten Bergwäldern Mittelamerikas, von Costa Rica und Panama bis ins nordwestliche Kolumbien, wo sie epiphytisch wächst. Als “Strap-Leaf”-Anthurie sieht sie der Anthurium vittarifolium auf den ersten Blick recht ähnlich, unterscheidet sich aber deutlich am Blütenstand: Während die vittarifolium einen schlanken, geraden Kolben zeigt, dreht sich der Blütenstand der wendlingeri korkenzieherartig ein – daher auch der Beiname “Spiral Anthurium”.

Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten lohnt sich, da Schild- und Wollläuse sowie Spinnmilben sich dort gerne verstecken.