Anthurium pallidiflorum – Pflege
Standort & Licht
In ihrer Heimat, den Nebelwäldern Ecuadors und Kolumbiens, hängt diese Anthurie epiphytisch an moosbewachsenen Ästen im gedämpften, aber keineswegs schwachen Licht des Kronendachs. Entsprechend braucht sie zuhause einen wirklich hellen Platz mit viel indirektem Licht, damit die langen Bandblätter zügig in die Länge wachsen – bei zu wenig Licht bleibt der Zuwachs spürbar kürzer und deutlich langsamer. Direkte Sonne verträgt die samtige Blattoberfläche allerdings nicht, hier drohen schnell Verbrennungen. Als grobe Orientierung liegt der geeignete Bereich bei etwa 80 bis 160 µmol/m²/s PAR (PPFD), was bei 10 bis 12 Stunden Beleuchtung einem DLI von ungefähr 3,5 bis 7 mol/m²/Tag entspricht.
Gießen
Als Epiphyt ist diese Anthurie an kurze Trockenphasen zwischen den Wassergaben gewöhnt – gieße erst wieder, wenn sich die oberen 2 bis 3 cm des Substrats trocken anfühlen. Auf Trockenstress reagiert sie mit hängenden, welkenden Blättern, erholt sich danach aber meist zügig; dauerhafte Staunässe verzeiht sie dagegen kaum und quittiert sie mit Wurzelfäule. Kalkarmes, zimmerwarmes Wasser wird deutlich besser vertragen als hartes Leitungswasser.
Düngen
Alle 4 bis 6 Wochen mit einem stark verdünnten Flüssigdünger während der Wachstumsphase reicht dieser Anthurie aus, um kontinuierlich neue, lange Blätter zu bilden, ohne dass sich Salze im Substrat anreichern. Als Richtwerte gelten für Anthurien allgemein ein pH-Bereich von etwa 5,5 bis 6,5 sowie eine Leitfähigkeit des Gießwassers von grob 1,0 bis 1,5 mS/cm; halte dich bei der genauen Dosierung an die Herstellerangabe. Wächst die Pflanze im Herbst und Winter nur am Fenster, wird durch das schwächere Licht seltener bzw. gar nicht gedüngt; unter ganzjährig ausreichend hellem Pflanzenlicht kann dagegen im gewohnten Rhythmus weitergedüngt werden.
Wir wechseln bei unseren eigenen Pflanzen bewusst zwischen verschiedenen Düngern – aktuell unter anderem COMPO COMPLETE, Foliage Focus, Liquid Gold Leaf und Hesi TNT-Complex, ergänzt bei Bedarf um Hesi Wurzel-Complex, Hesi PowerZyme und CalMag.
Substrat
Eine grobstückige, luftige Mischung aus Orchideenrinde, etwas Torfmoos oder Kokosfaser und Perlit ahmt das epiphytische Substrat nach, an das diese Anthurie in freier Natur gewöhnt ist. Wegen des Gewichts der langen Hängeblätter braucht sie außerdem einen stabilen, nicht zu leichten Topf oder einen fest verankerten Hängekorb, damit sie nicht kippt.
Luftfeuchtigkeit & Temperatur
Hohe Luftfeuchtigkeit ist bei dieser Anthurie kein reines Extra, sondern macht einen echten Unterschied: Unter 50 % neigen die Blattspitzen zum Eintrocknen und die charakteristische Bandform verliert an Ausdruck, erst ab etwa 60 bis 70 % zeigt sie sich durchgehend vital. Ein Luftbefeuchter, Gewächshausschrank oder ein feuchterer Platz im Bad helfen entsprechend nach. Bei der Temperatur liegt der Wohlfühlbereich zwischen 20 und 27 °C, unter 15 °C und bei Zugluft reagiert sie empfindlich.
Wachstum & Form
Statt der klassischen herzförmigen Anthurien-Blätter bildet diese Art schmale, bandartige Blätter, die bei ausgewachsenen Exemplaren gut einen Meter oder mehr lang werden und dabei nur wenige Zentimeter breit bleiben. Sie wachsen nicht kletternd, sondern hängen gerade nach unten – eine Ampel oder ein erhöhter Platz kommt dieser Wuchsform daher deutlich mehr entgegen als ein normaler Tisch- oder Fensterbankplatz. Die Blütenstände fallen mit ihrem schmalen, blassen Kolben eher unscheinbar aus, was bei dieser Art ganz normal ist und kein Zeichen mangelnder Pflege.
Gut zu wissen
Optisch lässt sich Anthurium pallidiflorum leicht mit Anthurium vittarifolium verwechseln, da beide ähnlich lange, hängende Bandblätter ausbilden. Ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal ist die Blütenform: Während vittarifolium einen geraden Blütenstand zeigt, ist der Blütenstand von pallidiflorum meist etwas kürzer und gedrungener.
Wie alle Aroideen enthält auch diese Anthurie Calciumoxalat-Kristalle und ist für Haustiere und Kinder bei Verzehr reizend – am besten außer Reichweite platzieren. Wegen der dichten, samtigen Blattbehaarung lohnt sich zudem eine regelmäßige Kontrolle auf Spinnmilben und Thripse, die sich hier gerne verstecken.